Pizza Contemporanea mit Biga, Poolish und Criscito essiccato – meine neue Lieblingsrezeptur mit 78 % Hydration
Nach vielen Versuchen mit direkter Führung, Poolish, Biga und Sauerteig wollte ich eine Rezeptur entwickeln, welche die besten Eigenschaften verschiedener Fermentationsmethoden verbindet. Die Grundlage bildet eine klassische italienische Biga. Sie sorgt für Struktur, Stabilität und einen beeindruckenden Ofentrieb. Ergänzt wird sie durch einen mild geführten Poolish, der zusätzliche Aromatik und eine besonders geschmeidige Teigstruktur entwickelt. Als zusätzliche Aromakomponente kommt Criscito essiccato zum Einsatz. Dabei handelt es sich nicht um ein weiteres Mehl, sondern um einen getrockneten Sauerteigstarter, der dem Teig mehr Tiefe, eine komplexere Fermentationsnote und eine verbesserte Frischhaltung verleiht. Das Ergebnis ist eine moderne Pizza Contemporanea mit hoher Hydration, einer offenen Krume, einem luftigen Rand und einem ausgewogenen Aroma. ---

Rezeptübersicht

- Gesamtmehl: 1'000 g
- Gesamtwasser: 780 g
- Hydration: 78 %
- Salz: 40 g (4 %)
- Criscito essiccato: 50 g
- Vorteige: 50 %
- Gesamte Reifezeit: ca. 48 Stunden
- Ergibt ca. 6 Pizzaballen à 280–290 g
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Die Idee

Biga und Poolish erfüllen in dieser Rezeptur unterschiedliche Aufgaben. Die Biga ist das Fundament des Teigs. Durch die feste Führung entsteht eine stabile Glutenstruktur, welche für eine leichte, offene Krume und starken Ofentrieb sorgt. Der Poolish ergänzt den Teig mit: - feinen Fermentationsaromen, - zusätzlicher Enzymaktivität, - verbesserter Dehnbarkeit, - einer besonders seidigen Teigstruktur. Der Criscito essiccato bringt zusätzliche geschmackliche Tiefe, ohne die typische Charakteristik einer modernen Pizza zu überdecken. Die Kombination dieser drei Komponenten ergibt einen Teig, der gleichzeitig kraftvoll, aromatisch und sehr leicht wirkt. ---

Biga (24 Stunden)

- 400 g Tipo 00 – Caputo Saccorosso
- 240 g Wasser
- 1 g Frischhefe
  Die Biga wird locker vermischt und nicht zu einem glatten Teig geknetet. Die trockene, kompakte Struktur ist typisch für eine klassische italienische Biga. Anschliessend: - 2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen lassen - danach ca. 22 Stunden bei 6 °C im Kühlschrank reifen lassen Der Deckel bleibt leicht geöffnet, damit die Biga atmen kann und sich das typische Aroma einer langen Fermentation entwickelt. ---

Poolish (24 Stunden)

- 100 g Tipo 00 – Caputo Saccorosso
- 100 g Wasser
- 1 g Frischhefe

Führung:

- 2 Stunden bei Raumtemperatur - danach 22 Stunden bei ca. 6 °C im Kühlschrank Ein optimal gereifter Poolish zeigt viele kleine Blasen, eine lockere Struktur und riecht angenehm mild und leicht süsslich. ---

Criscito essiccato

- 50 g Criscito essiccato
  Der getrocknete Sauerteigstarter wird nicht als Mehl gerechnet, sondern zusätzlich zur Rezeptur gegeben. Seine Aufgabe ist nicht die Triebkraft, sondern: - mehr aromatische Tiefe, - komplexere Fermentationsnoten, - bessere Frischhaltung der Kruste. ---

Hauptteig

- gesamte Biga
- gesamter Poolish
- 50 g Criscito essiccato
- 320 g Tipo 0 – Costa d’Amalfi
- 180 g Tipo 1 – Petra 0102 HP oder Caputo Multicereali
- 280 g eiskaltes Wasser (erste Wasserzugabe)
- 160 g Wasser als Bassinage
- 40 g Salz
- 1 EL Honig oder Malz
- optional 10 g hochwertiges Olivenöl
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Warum 4 % Salz?

Der klassische Salzanteil bei Pizzateigen liegt häufig bei etwa 2,5–3 %. Diese Rezeptur verwendet bewusst 40 g Salz auf 1'000 g Mehl, also 4 %. Der höhere Salzanteil erfüllt mehrere Aufgaben: - Er stärkt das Glutengerüst und verbessert die Stabilität bei einer Hydration von 78 %. - Er verlangsamt die Fermentation und gibt bei einer langen Reifezeit mehr Kontrolle. - Er unterstützt die Formbarkeit der Teiglinge nach fast 48 Stunden Reifezeit. - Er sorgt für eine ausgewogene Balance, da die lange Fermentation viele zusätzliche Aromen entwickelt. Gerade bei der Kombination aus Biga, Poolish und Criscito hilft der höhere Salzanteil, die Balance zwischen Triebkraft, Struktur und Aroma zu halten. ---

Die Wasserzugabe

Obwohl die Zielhydratation bei 78 % liegt, wird das Wasser schrittweise eingearbeitet. Zu Beginn werden nur: - Biga, - Poolish, - restliche Mehle, - 280 g Wasser verarbeitet. Dadurch kann sich das Glutengerüst leichter entwickeln. Erst nachdem der Teig Struktur aufgebaut hat, wird das restliche Wasser portionsweise als Bassinage eingearbeitet. Diese Technik sorgt für: - bessere Wasseraufnahme, - mehr Elastizität, - eine offenere Krume, - angenehmere Verarbeitung trotz hoher Hydration. ---

Die Teigführung

Die Biga wird in kleine Stücke gezupft und zusammen mit dem reifen Poolish, Criscito essiccato, den restlichen Mehlen und der ersten Wasserzugabe geknetet. Die Biga sollte nicht vollständig glatt eingearbeitet werden. Kleine unregelmässige Stücke sind erwünscht und typisch für diese Methode. Nach einigen Minuten wird das Salz hinzugegeben. Anschliessend wird das restliche Wasser langsam eingearbeitet, bis der Teig glatt, elastisch und vollständig ausgeknetet ist. Die ideale Teigtemperatur nach dem Kneten liegt bei: 23–25 °C Der fertige Teig ruht zunächst etwa eine Stunde. Während dieser Zeit führe ich zwei bis drei Stretch-&-Fold-Durchgänge durch, um das Glutengerüst weiter zu stabilisieren. ---

48-Stunden-Führung

Nach dem Kneten

- 1 Stunde Ruhezeit - 2–3 Stretch-&-Fold-Durchgänge

Stockgare

- ca. 1–2 Stunden bei Raumtemperatur Danach werden die Teiglinge abgestochen.

Stückgare

- Teiglinge à 280–290 g formen - in geschlossenen Boxen lagern - ca. 24 Stunden bei 4–6 °C reifen lassen

Vor dem Backen:

- 2–3 Stunden bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen ---

Das Ergebnis

Diese Rezeptur verbindet die Kraft einer klassischen Biga mit der Eleganz eines Poolish und der aromatischen Tiefe eines Criscito. Die Biga sorgt für enormen Ofentrieb und eine federleichte Krume. Der Poolish unterstützt die Dehnbarkeit und bringt eine feine Fermentationsnote. Der Criscito verleiht dem Teig zusätzliche Komplexität und eine längere Frischhaltung. Trotz der hohen Hydration bleibt der Teig angenehm zu verarbeiten und entwickelt im Ofen einen beeindruckenden Rand mit grossen, unregelmässigen Poren. Für mich entspricht diese Kombination genau meiner Vorstellung einer gelungenen Pizza Contemporanea: Ein hauchdünner Boden, ein hoher luftiger Rand, eine offene Krume und ein ausgewogenes Aroma. Eine Verbindung aus traditioneller italienischer Fermentation und moderner Pizza-Handwerkskunst. Buon appetito!

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