Wer in der Schweiz nach einer echten neapolitanischen Pizza sucht, wird heute an jeder Ecke fündig.
Holzofen? Check. Leoparding auf dem Rand? Check. San-Marzano-Tomaten? Check.
Die Tische sind voll, die Google-Bewertungen glänzen bei 4.7 Sternen, und die Gastronomen klopfen sich selbstgefällig auf die Schultern.
Doch wer regelmässig im Grossraum Neapel, in Caserta oder der gesamten Campania unterwegs ist, weiss: Das, was uns hierzulande als Spitzenklasse verkauft wird, ist in Italien oft nur noch müder Standard.
Wenn man Schweizer Pizzaioli fragt, warum man hier kaum modernste Contemporary-Teige findet, hört man gebetsmühlenartig dieselbe Ausrede:
«Das ist im Service-Stress unmöglich umzusetzen.»Bullshit. Der Verweis auf den Service-Stress greift zu kurz und ist letztlich nur eine bequeme Ausrede für mangelnde Ambition. Pioniere wie Diego Vitagliano, Francesco Martucci (I Masanielli) oder Vincenzo Capuano beweisen jeden Abend das Gegenteil. Die fahren an einem stinknormalen Freitagabend locker mehrere hundert Pizzen raus. Und zwar nicht mit 08/15-Teigen, sondern mit der absoluten Königsklasse: Contemporary-Teige mit 100 % Biga, 75 bis 80 % Hydratation und einem riesigen, perfekt luftigen Canotto. Das ist absolut masstauglich – wenn man will und es kann.